Geschmack: Chinesische Schwarztees sind oft milder und aromatischer als indische oder ceylonesische Sorten. Sie zeichnen sich durch blumige, fruchtige oder honigartige Noten aus.
Verarbeitung: Traditionell werden die Teeblätter nach der Ernte gerollt, oxidiert und getrocknet. Einige Sorten wie Lapsang Souchong werden zusätzlich geräuchert.
Kulturelle Bedeutung: Viele chinesische Schwarztees haben eine lange Tradition und werden nach speziellen Methoden (z. B. Gongfu-Cha) zubereitet.
Die Herstellung von Schwarztee aus China folgt traditionellen, mehrstufigen Verfahren, die je nach Sorte (z. B. Keemun, Dianhong, Lapsang Souchong) variieren können. Hier ist eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Beschreibung der typischen Verarbeitung:
1. Ernte (采茶, Cǎi Chá)
- Zeitpunkt: Die Blätter werden meist im Frühling oder Frühsommer geerntet, je nach Sorte und Region. In Yunnan (für Dianhong) kann die Ernte auch später im Jahr erfolgen.
- Methode: Nur die jungen Blätter und Knospen werden per Hand gepflückt, um die Qualität zu sichern. Für hochwertige Sorten wie Keemun werden nur die obersten 2–3 Blätter und die Knospe verwendet.
- Frische: Die Blätter müssen so schnell wie möglich nach der Ernte verarbeitet werden, um Oxidation und Gärung zu kontrollieren.
2. Welken (萎凋, Wěi Diāo)
Ziel: Die Blätter verlieren etwa 30–40 % ihrer Feuchtigkeit, werden weich und geschmeidig, um sie besser rollen zu können.
Methode:
- Die Blätter werden in dünnen Schichten auf Bambusmatten oder in speziellen Welkräumen ausgebreitet.
- Natürliches Welken: Bei Raumtemperatur (ca. 20–25 °C) und hoher Luftfeuchtigkeit (ca. 70–80 %) für 6–18 Stunden. Dies geschieht oft in klimatisierten Räumen oder unter kontrollierten Bedingungen.
Künstliches Welken: In modernen Betrieben wird manchmal Warm- oder Kaltluft eingesetzt, um den Prozess zu beschleunigen.
Ergebnis: Die Blätter werden dunkler, verlieren an Festigkeit und sind bereit für das Rollen.
3. Rollen (揉捻, Róu Niǎn)
Ziel: Die Zellstruktur der Blätter wird aufgebrochen, um die Oxidation einzuleiten und die Aromen freizusetzen. Gleichzeitig erhalten die Blätter ihre typische Form (z. B. gedreht, gerollt oder als “Tips”).
Methode:
- Traditionell: Die Blätter werden von Hand oder in Holz- oder Metallwalzen gerollt, bis sie sich zu kleinen Kügelchen oder Strängen formen.
- Maschinell: Moderne Betriebe nutzen Rollmaschinen, die die Blätter schonend pressen und drehen.
Dauer: 20–40 Minuten, abhängig von der Sorte und gewünschten Oxidationsstufe.
Ergebnis: Die Blätter werden dunkler und beginnen, Saft freizusetzen – ein Schlüsselprozess für die spätere Oxidation.
4. Oxidation (发酵, Fā Jiào) – Der entscheidende Schritt!
Ziel: Enzyme in den Blättern reagieren mit Sauerstoff und wandeln Chlorophyll in Theaflavine und Thearubigine um. Dies verleiht dem Schwarztee seine dunkle Farbe, kräftige Aromen und adstringierende Wirkung.
Methode:
- Die gerollten Blätter werden in feuchten, klimatisierten Räumen (ca. 25–30 °C, 90 % Luftfeuchtigkeit) für 2–4 Stunden ausgebreitet.
- Kontrolle: Die Oxidation wird durch Temperatur, Feuchtigkeit und Belüftung gesteuert. Zu lange Oxidation führt zu bitterem Geschmack, zu kurze zu einem flachen Aroma.
Besonderheit bei Lapsang Souchong: Nach der Oxidation werden die Blätter über Kiefernholz geräuchert (einzigartig für diese Sorte!).
Ergebnis: Die Blätter färben sich dunkelbraun bis schwarz und entwickeln ihr typisches Aroma.
5. Trocknung (干燥, Gān Zào)
Ziel: Die Oxidation stoppen und die Blätter haltbar machen.
Methode:
- Traditionell: Die Blätter werden in heißen Pfannen (ca. 80–90 °C) oder auf Bambusmatten über Feuer getrocknet.
- Moderne Methode: Industrielle Trockenöfen mit kontrollierter Hitze und Luftzirkulation für gleichmäßige Ergebnisse.
Dauer: 20–30 Minuten, bis der Tee nur noch 3–5 % Feuchtigkeit enthält.
Ergebnis: Die Blätter sind nun knusprig trocken, dunkel und glänzend.
6. Sortieren und Sieben (筛分, Shāi Fēn)
Ziel: Den Tee nach Größe, Form und Qualität trennen.
Methode:
- Die getrockneten Blätter werden über Siebmaschinen geleitet, die sie in verschiedene Grade unterteilen (z. B. OP = Orange Pekoe, BOP = Broken Orange Pekoe).
Hochwertige Sorten wie Keemun oder Dianhong enthalten oft viele goldene Tips (junge Knospen), die separat gesammelt werden.
Ergebnis: Der Tee wird nach Größe, Farbe und Reinheit klassifiziert.
7. Rösten (焙火, Bèi Huǒ) – Optional für bestimmte Sorten
Ziel: Aromen vertiefen, Bitterkeit reduzieren und Haltbarkeit erhöhen.
Methode:
- Die Blätter werden in Röstpfannen oder Darren bei 100–150 °C für 1–2 Stunden erhitzt.
Lapsang Souchong wird zusätzlich über Kiefernholz geräuchert, was ihm den typischen rauchigen Geschmack verleiht.
Ergebnis: Der Tee erhält eine würzigere, komplexere Note und eine dunklere Farbe.
8. Endkontrolle und Verpackung
Qualitätsprüfung: Stichproben werden auf Aroma, Farbe, Feuchtigkeit und Reinheit geprüft.
Verpackung:
- Traditionell in Holzkisten, Blechdosen oder Papierbeuteln (luftdicht, um Aroma zu erhalten).
- Moderne Verpackungen nutzen Aluminiumfolie oder Vakuumbeutel für längere Haltbarkeit.
Fazit:
Chinesischer Schwarztee besticht durch handwerkliche Verarbeitung, schonende Oxidation und regionale Besonderheiten – von den blumigen Aromen des Keemun bis zum rauchigen Charakter des Lapsang Souchong. Jede Sorte hat ihre eigene Herstellungsmethode, die ihr einzigartiges Profil prägt.